Rathaus Rostock

Rathaus Rostock

Rathaus Rostock


Nachdem im Jahre 1265 die vormals bestehenden drei Teilstädte von Rostock zu einer einzigen Stadt zusammengeschlossen wurden, beschloss man auch ein gemeinsames Rathaus zu errichten. Als Standort des Rostocker Rathauses wurde der Neue Markt gewählt. Hier errichtete man an der Ostseite des Platzes ein neues Gebäude, statt das ursprünglich vorhandene Rathaus zu erweitern. Dieser Vorgängerbau befand sich mitten auf dem Platz und wurde Ende der 90er Jahre bei Ausgrabungen entdeckt. Das neue Rathaus befand sich direkt an der Hauptverkehrsstraße der Stadt, welche alle drei Stadtteile miteinander verband. Auch die mecklenburgischen Landesherren konnten das Rathaus auf kürzestem Wege auf einer gepflasterten Straße erreichen, wenn sie durch das in Sichtnähe befindliche Steintor in die Stadt einritten.

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Den Ursprung des Rathauses bildeten zwei vorhandene Bürgerhäuser, welche zu einem Gebäude verbunden wurde. Bei aufmerksamer Beobachtung kann man anhand der Baustruktur die beiden ursprünglichen Häuser erkennen. Im Inneren des Gebäudes wurden die vormals trennenden Wände durchbrochen und mit spitzbogigen Arkaden versehen. Da man bei der Errichtung des Rathauses nur zwei vorhandene Gebäude umbaute und nicht wie das Rathaus in Stralsund als ein völlig neues Gebäude errichtetet wurde, besitz dieses auch keinen Lichthof. Die beiden ursprünglich vorhandenen Bürgerhäuser besaßen schon einen Keller, welcher somit die älteste Bausubstanz des Rathauses darstellt. Hier wurden im Mittelalter nicht nur Waren gelagert, sondern wie auch im Erdgeschoss Waren gehandelt.

Dazu richtete man kleine Buden ein, welche an die Händler vermietet wurden. Hauptsächlich wurden in den Räumlichkeiten des Rostocker Rathauses Stoffe gehandelt. Heutzutage beherbergt der mittelalterliche Gewölbekeller ein Restaurant, bei dessen Besuch man die noch am besten erhalten gebliebene mittelalterliche Baustruktur des Gebäudes sehen kann. Bei dem Umbau der beiden Häuser zum Rathaus erweiterte man dieses Bauensemble mit einem weiteren Obergeschoss und ergänzte das Gebäude zur Marktseite hin mit einer Schaufassade, welche sich gestaltungstechnisch an den Schaufassaden der Rathäuser von Stralsund und Lübeck orientierte. Hierfür verwendete man glasierte Ziegel, welche die optische Wirkung der Gestaltungselemente verstärkten.

Auf der Marktseite befand sich zudem vor dem Ziergiebel eine zweigeschossige Laube, welche sich gestaltungstechnisch an dem Ziergiebel orientierte. Die Laube musste Anfang des 18. Jahrhunderts aufgrund massiver Unwetterschäden abgerissen werden. Die ursprünglich vorhandene mittelalterliche Laube wurde aber nicht wieder aufgebaut, sondern durch einen Neubau ersetzt, welcher im Jahre 1726 fertig gestellt wurde. Der neue Vorbau fiel aber deutlich größer aus, so dass der gotische Schaugiebel aus Backstein zum Großteil verdeckt wurde, so dass man seitdem nur noch den obersten Teil der prächtigen Schaufassade sehen kann. Der neue Vorbau wurde im Stil des Barock errichtet, weitere Umbauten im Inneren, wie ein barocker Festsaal, erfolgen nur ein paar Jahre später. Erhalten geblieben ist aber ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes mittelalterliches Wandgemälde, welches man unter den Kolonnaden über dem Eingang zum Ratskeller finden kann, auf welchem Christus als der Weltenrichter abgebildet ist.