Pommersches Landesmuseum Greifswald

Pommersches Landesmuseum Greifswald

Pommersches Landesmuseum Greifswald


Am Standort des Pommerschen Landesmuseums befand sich zur Zeit des Mittelalters ein Franziskanerkloster, welches aufgrund der grauen Kutten, welche die Mönche dieses Ordens trugen, den Namen Graues Kloster bekam. Das heutige Hauptgebäude, welches heutzutage diesen Namen trägt, hat mit dem ursprüngliche vorhandenen Kloster nicht viel zu tun, denn von der mittelalterlichen Bausubstanz des Grauen Klosters ist nicht viel übriggeblieben als die ehemalige Klosterbibliothek, das Konventshaus und einigen wenigen Mauerresten der verlorengegangenen Klosterkirche, welche man im Museumsinnenhof sehen kann. Hier hat man die noch vorhanden gebliebenen Fundamente mit Stahlplatten ergänzt, um den Grundriss der früheren Klosterkirche anschaulich zu machen. Die beiden klassizistischen Gebäude des heutigen Museumskomplexes wurden erst zum Ende des 18. Jahrhunderts errichtet.

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Nachdem die Stadt Greifswald im Zuge der Reformation in den Besitz des Grauen Klosters gelangte und in diesem Zusammenhang das Kloster schloss, nutzte sie die Räumlichkeiten des Konvents als Stadtschule. Da die Klosterkirche baufällig wurde, beschloss man sie abzureißen und an ihrer Stelle ein neues und größeres Schulgebäude zu errichten. Hierfür beauftragte man im Jahre 1793 Johann Gottfried Quistorp, den Baumeister der Universität Greifswald, welcher die Hansestadt Greifswald mit vielen Gebäuden prägte. Quistorp war auch kein Geringerer als derjenige, bei dem Caspar David Friedrich seinen ersten Zeichenunterricht erhielt. Das sogenannte Graue Kloster ist etwa ein halbes Jahrhundert Jahre jünger als die ehemalige Stadtschule, denn dieser Bau wurde erst im Jahre 1845 errichtet und beherbergte bis zum Umbau zu einem Museum ein Altersheim. Als es seinerzeit errichtet wurde, war es eines der modernsten Komplexe, die man in ganz Vorpommern finden konnte. Die ehemaligen Bewohner besaßen jeweils eine Stube, die ein Fenster zur Außenfassade hatten. Auf der Hofseite war für jede dieser Wohnungen eine kleine Küche vorhanden, deren Fenster man heute als Öffnungen zum Lichthof des Museums nutzt.

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Auch das heutige Ensemble des Pommerschen Landesmuseums ist ein Vorbild für Denkmalschutz und modernes Bauen, denn zum Einen wurde die noch vorhandene historische Bausubstanz erhalten, zum Anderen die Räumlichkeiten so modern gestaltet, dass sie alle Einrichtungen für eine notwendige Barrierefreiheit zu finden sind. Der Eingang zum Museum erfolgt über eine Rampe, in den Ausstellungsräumen sind Fahrstühle vorhanden, mit denen man in das Kellergewölbe, beziehungsweise in die höher gelegenen Etagen des Hauses gelangen kann. Der Zugang zur Gemäldegalerie erfolgt über eine Rampe in der Museumshalle, welche sich optisch unauffällig in die moderne Architektur des gläsernen Zwischenbaus einpasst. Behindertengerechte Toiletten sind unter anderem im Foyer des Pommerschen Landesmuseums zu finden.

Der Rundgang durch das Museum beginnt mit einem erdgeschichtlichen Ausflug in der Entstehung der Region. Hier kann man anschaulich sehen, wie sich die Erdoberfläche und die Meere verändert haben, bis sie die letztendlich die Formen erreicht haben, die sie heutzutage vorzuweisen haben. Für die Vorstellung dieser Erdepochen findet man eine Reihe Fossilien, welche einst diese Gegend bevölkert haben. Seien es Wasserbewohner wie Ammoniten oder Landtiere wie die Dinosaurier, sie alle sind zwar ausgestorben, haben aber trotzdem ihre Spuren hinterlassen. Am beeindruckendsten von all diesen Spuren sind die imposanten Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen. Wichtiger für die Geschichte der Region war aber die letzte Eiszeit, welche die Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern entscheidend formte. Seien es die hügeligen Landschaften im Süden des Landes, die über tausend Seen der Mecklenburgischen Seenplatte oder die heutige Ostseeküste. Das ist alles der letzten Eiszeit zu verdanken, die nicht nur die hiesigen Landschaften formte, sondern auch unzählige Findlinge hier ablagerte, die zu einer wichtigen Grundlage für die ersten Kulturen wurden, welche sich vor über zehntausend Jahren in der pommerschen Region niedergelassen haben.

Und die nach der Eiszeit einsetzende Besiedlung ist einer der der Schwerpunkte mit denen sich die Ausstellung im Kellergewölbe des Museums auseinandersetzt. Sie beginnt mit den ersten steinzeitlichen Jägern und Sammlern und bewegt sich zu den Kulturen der germanischen und slawischen Siedler, die diesen Landstrich entscheidend geprägt haben. In Mecklenburg-Vorpommern findet man noch heute zahlreiche Überreste slawischer Wälle oder Hünengräber aus Findlingen, in denen die früheren Bewohner ihre verstorbenen Verwandten beigesetzt haben. Diejenigen Spuren früherer Bewohner, welche man bei verschiedenen Ausgrabungsplätzen in der Region freigelegt hat, zeigt das Pommnersche Landesmuseum in den Vitrinen, wobei der gut zwei Kilogramm schwere und massiv ausgeführte Goldring von Peterfitz das wohl wichtigste Exponat aus dieser Epoche sein dürfte. In diesem Teil der Ausstellung sollte man ruhig einmal den Blick auf den Boden schweifen lassen, denn dort wurde der Verlauf der Peene nachgebildet, welche zu den wichtigsten pommerschen Flüssen zählte, an denen sich zahlreiche Besiedlungsspuren finden ließen. Das sogenannte Alte Lager in Menzlin dürfte mit seinen im südlichen Ostseeraum einmaligen Wikingergräbern die wohl bedeutendste Ansiedlung währen dieser Zeit gewesen sein.

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Der Schwerpunkt der Präsentation der Zeit des Mittelalters liegt zum Einen auf der Geschichte der Hansestadt Greifswald und zum Anderen auf dem mächtigen Städtebund der Hanse, der den gesamten Ostseeraum in dieser Zeit stark geprägt hatte. Da schon die steinzeitlichen Menschen die aus Skandinavien importierten Findlinge für ihre Gräber verwenden mussten, da das Baumaterial an der Ostseeküste knapp war, mussten sich die Einwohner des Landstriches sich etwas einfallen lassen, damit sie sich auch repräsentative Bauwerke errichten konnten. Die Lösung waren Backsteine, mit denen sie imposante Kirchen und aufwendig verzierte Giebelhäuser errichteten, die noch heutzutage zahlreiche Orte in Mecklenburg-Vorpommern prägten. Der wohl tiefste Einschnitt in der Geschichte Pommerns war aber der dreißigjährige Krieg, in welchem fast die gesamte Bevölkerung des Landstriches getötet wurde. Von der einstigen Pracht der pommerschen Herzöge, die zwar arm waren, trotzdem aber repräsentative Schlösser besaßen, zeugt das wohl wichtigste Exponat, das man im Pommerschen Landesmuseum sehen kann. Der Croy-Teppich ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der Reformation und zeigt die Verbindung des pommerschen Herzogshauses mit dem von Sachsen. Jahrhundertelang wurde dieser aufwendig gefertigte Wandteppich nur alle zehn Jahre ausgestellt. Seit der Eröffnung des Pommerschen Landesmuseums kann man das wohl wertvollste Stück aus dem Besitz der Universität Greifswald endlich zu jeder Zeit bewundern.

Pommernland ist abgebrannt … der alte Kinderreim beschrieb die Situation zutreffend, in welcher die neuen schwedischen Landesherren von Vorpommern ihre dazugewonnenen Ländereien vorgefunden haben. Die gut anderthalb Jahrhunderte währende Zugehörigkeit zum schwedischen Königreich brachte zwar viel Gutes über die pommersche Bevölkerung, die recht autonom regiert wurden, da sich Schweden als Großmacht auf dem absteigenden Ast befanden, diente Vorpommern aber des Öfteren als Aufmarschgebiet feindlicher Armeen, was nicht unbedingt förderlich für die Entwicklung der Region war. Die schwedische Herrschaft über Vorpommern war nicht so friedlich, wie es gerne dargestellt wird, denn in einen großen Teil der Schwedenzeit herrschten hier immer wieder Kriegszustände. Schwedische Spuren findet man aber trotzdem noch viele, so förderte man die Universität Greifswald, deren Hauptgebäude aus der Schwedenzeit stammt. Aber auch die von Schweden vorgenommenen Landvermessungen, die für die Berechnung der Steuern erstellt wurden, sind ein wichtiges Dokument, denn so genau wurde das Land vorher nie kartographiert. In der Ausstellung des Pommerschen Landesmuseum bekommt man übrigens auch eine Auswahl an solchen Landkarten zu sehen.

Nach den Schweden kamen die Preußen und zwischendurch noch Napoleon, der sich durch sein Verhalten gegenüber der Bevölkerung hier so unbeliebt machte, dass die Pommern eine entscheidende Rolle in den Befreiungskriegen einnahmen. Ein Beispiel hierfür ist Ernst Moritz Arndt, der mit seinen Propagandaschriften die Bevölkerung moralisch unterstützte und dem zu Ehren die Greifswalder Universität ihren heutigen Namen erhielt. Mit den Preußen kam auch die Industrialisierung ins Land, wobei die Großstadt Stettin den Schwerpunkt bildete. Pommern blieb trotzdem ein armer Landstrich, die Bevölkerung wanderte aus oder zog in Großstädte wie Berlin oder Hamburg. Die Auswanderer zog es überall in die Welt, im Pommerschen Landesmuseum wird hierbei aber ein Augenmerk auf diejenigen Leute gelegt, welche seinerzeit nach Brasilien ausgewandert sind und dort noch heutzutage die Traditionen ihrer Urgroßeltern pflegen. Den Abschluss dieses Abschnittes der interessanten Ausstellung beschäftigt sich mit der Entstehung der Seebäder auf den Inseln Rügen und Usedom, welche heutzutage das Herzstück des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern bilden.

Dank der Übernahme der Gemäldesammlung ehemaligen städtischen Museums von Stettin, die den vorhandenen Bestand des Museums deutlich vergrößerte, hat heutzutage das Pommersche Landesmuseum eine attraktive Sammlung mit Gemälden bekannter Künstler zu bieten, welche von Caspar David Friedrich über Franz Hals und Vincent van Gogh hin zu zahlreichen zeitgenössischen Künstlern reicht. Eines der bekanntesten Werke in der Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums dürfte Caspar David Friedrichs Gemälde Ruine Eldena im Riesengebirge sein. Aufgrund der Kooperationen mit vielen internationalen Einrichtungen, insbesondere aus dem benachbarten Polen, gibt es die verfügbaren Audioguides nicht nur in deutscher und englischer Sprache, sondern auch auf Schwedisch und Polnisch. Die Führungen werden übrigens auch in mehreren Sprachen angeboten.

Adresse: Rakower Straße 9 – 17489 Greifswald
Homepage: www.pommersches-landesmuseum.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr (von Mai bis Oktober) – Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr (von November bis April) – am 24.12 und 31.12. geschlossen