Wassermühle Kuchelmiß

Wassermühle Kuchelmiß

Wassermühle Kuchelmiß


Die Wassermühle von Kuchelmiß steht für gewöhnlich eher selten im Nebel, dafür schon seit dem Jahre 1558 an der Nebel. Jedenfalls stammt die erste urkundliche Erwähnung der Wassermühle aus dieser Zeit. Wer das zwischen Serrahn und Kuchelmiß gelegene Nebeldurchbruchstal erkunden möchte, und dabei dem Verlauf des Flusses folgt, wird zwangsläufig an der Wassermühle vorbeikommen, zumindest dann, wenn man auch in Kuchelmiß dem Mühlenweg folgt. Schon aus einiger Entfernung kann man das Rauschen eines Mühlenbachs vernehmen, welches schon der Volksmund in seinen Liedern besungen hat. Die Nebel mit ihrem für norddeutsche Verhältnisse recht starken Gefälle eignete sich ganz besonders für die Errichtung von Wassermühlen. Zum einen konnte man das für den Antrieb des Wasserrades der Mühle benötigte Wasser aufstauen, zum anderen war man durch die Nutzung der Wasserkraft nicht vom Wind abhängig. Und so fand man im Laufe der Jahrhunderte allein am Ufer der Nebel eine zweistellige Anzahl an Wassermühlen wieder.

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Einer dieser Standorte war Serrahn, genauer gesagt an der Stelle, wo einst die Nebel aus dem Krakower See floss und sich von dort aus weiter in Richtung Norden durch die hügelige Landschaft Mecklenburgs schlängelte. Die Existenz der Serrahner Wassermühle ist insoweit von Belang, weil diese als ein Vorgängerbau der Kuchelmißer Wassermühle anzusehen ist. Diese taucht erstmals im Jahre 1296 in der Geschichtsschreibung auf, als der finanziell klamme Nikolaus II. von Werle dem reichen Kloster Neuenkamp gleich mehrere Mühlen verkaufte, darunter die an der Nebel gelegenen Wassermühlen in Serrahn und Ahrenshagen. Mitte des 15. Jahrhunderts übereignete das Kloster Neuenkamp die gut anderthalb Jahrhunderte zuvor erworbenen Ländereien inklusive der Mühlen den mecklenburgischen Herzögen, welche im Jahre 1436 die Herrschaft über das Fürstentum Werle erlangt hatten. Im Besitz der Mühle blieben diese aber nicht allzu lange, denn schon kurz darauf verpfändeten sie das Dorf Serrahn inklusive der Wassermühle und dem Aalfang an die in Kuchelmiß ansässige Familie Hahn.

In deren Eigentum das Gut gelangte, nachdem das Pfand nicht eingelöst wurde. Gut hundert Jahre später ist die Serrahner Wassermühle Geschichte, dafür wird die Kuchelmißer Wassermühle im Jahre 1558 erstmalig zum Gegenstand eines Vertrages. Die Forschung geht davon aus, dass man diese in der Nähe des Herrensitzes errichte und dafür die weiter entfernt gelegene Serrahner Wassermühle stilllegte. Erhalten blieb einzig der Aalfang der früheren Mühle, der auch in dem besagten Vertrag erwähnt wurde. Da die Verpfändungen offenbar eine Konstante in der früheren Geschichte der Gegend waren, wurde im Jahre 1596 das Gut Kuchelmiß, und damit auch die Mühle, an Joachim Hahn zu Basedow verpfändet, woraufhin man diese sowie einige landwirtschaftliche Flächen an Müllermeister verpachtete. Der Dreißigjährigen Krieg ging auch an Kuchelmiß nicht spurlos vorbei, die Wassermühle wurde ein Opfer der Flammen, so dass man im Jahre 1637 an derselben Stelle eine neue Wassermühle errichtete.

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Nachdem im Jahre 1751 ein Sturm die Mühle stark beschädigte, errichtete man nicht nur eine neue Mühle, sondern auch ein neues Wohnhaus für den Müller, welches im Erdgeschoss mit der Mühle verbunden war. Das neue Mühlengebäude hatte Fachwerkwände und ein reetgedecktes Dach. Aus dieser Zeit stammt noch die südöstliche Mauer, welche zumindest auf einer Seite des Gebäudes einen gewissen Eindruck vermittelt, wie die Mühle in früheren Jahren einmal ausgesehen haben könnte. Da das Gebäude mit der Zeit baufällig wurde, ersetzte man im Jahre 1890 die maroden Fachwerkwände durch massive Ziegelmauern und das vorhandene Reetdach durch eines aus Ziegeln. Die zur Mühle gehörende Scheune stammt übrigens aus dem Jahre 1856. Die frühere Existenz der Serrahner Mühle gerät noch einmal im Jahre 1830 ins Bewusstsein der Anwohner, denn durch die Verlagerung des alten Aalfangs, der sich am früheren Mühlenstandort befand und das Wasser staute, kommt es im Krakower See zu einer Absenkung des Wasserspiegels von etwas über einen Meter.

Mitte des 19. Jahrhundert kommt es zu einem Mühlensterben, welches zum einen durch die Aufhebung des Mahlzwangs und zum anderen durch den technischen Fortschritt ausgelöst wird. Kleine Mühlen werden unrentabel und geschlossen, größere Mühlen überleben indem sie mit der Zeit gehen. So beginnt man in Kuchelmiß damit, die Mühle zu modernisieren. Im Jahre 1857 werden aus Frankreich neue Mühlsteine, im Jahre 1866 wird das unterschächtige Wasserrad durch eine Francis-Turbine ersetzt. Nicht alle getätigten Investitionen sollten sich aber auszahlen, denn beispielsweise die im Jahre 1850 angeschaffte Ölmühle musste aus Rentabilitätsgründen schon im Jahre 1873 wieder stillgelegt werden. Im Jahre 1896 kam es dann zum Ende einer Ära, denn die Familie Hahn verkaufte die Güter Kuchelmiß, Serrahn und Wilser Hütte an Prinz Albert von Sachsen-Altenburg. Vom Herrenhaus, welches dadurch zum Schloss wurde, zeugt heutzutage nicht mehr allzu viel, eigentlich nur ein paar Steine auf einer Wiese, da dieses zu DDR-Zeiten abgerissen wurde, um daraus Baumaterial gewinnen zu können. Im Jahre 1912 wird Herbert Friedrich Otto Mevius Pächter der Mühle, der diese im Jahre 1937 saniert neue Maschinen anschafft.

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Während der letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges sind es Kriegsgefangene aus Frankreich und Zwangsarbeiter Polen und der Sowjetunion, welche in der der Mühle und den benachbarten Gütern arbeiten. Diese werden nach dem Krieg enteignet, die Mühle Eigentum der Gemeinde Kuchelmiß. Im Jahre 1954 übernimmt Ilse Steinmann, die Tochter des letzten Pächters, die Verantwortung für die Mühle und wird zur ersten Müllermeisterin Mecklenburgs. Dieses aber nicht allzu lange, denn im Jahre 1960 kommt die Wassermühle Kuchelmiß in dem Besitz der LPG Kuchelmiß, welche diese noch bis zum Jahre 1972 für die Herstellung von Mischfutter nutzt. Während zu dieser Zeit viele andere Mühlen nach dem Ende ihrer Nutzung dem Verfall preisgegeben werden, wird die Wassermühle Kuchelmiß im Jahre 1980 zum technischen Denkmal erklärt, aufwendig restauriert und seitdem als Museum genutzt. Die nach der Jahrtausendwende sanierte Mühlenscheune dient heute als eine Art Kulturzentrum im ländlichen Raum. Alljährliche Höhepunkte sind das am ersten Samstag im Juni veranstaltete Mühlenfest und das am ersten Samstag im August veranstaltete Dreschfest.

Die Mühle selbst ist in den Monaten von April bis Oktober für Besucher geöffnet und bietet einen interessanten Einblick in die Arbeit und das Leben früherer Müller. Die früheren Wohnräume des Müllers sind entsprechend mit historischen Möbeln und Haushaltsgeräten ausgestattet, welche alles andere als einem romantischen Blick auf diese Zeit zulassen. Allzu angenehm dürfte diese nicht gewesen sein, zumal der Lärm, der aus der benachbarten Mühle in die Wohnräume drang, sein weiteres dafür tat. Die Räumlichkeiten der Mühle selbst lassen sich bei einem Rundgang gut erkunden. Das Erdgeschoss der Wassermühle ist ebenerdig und daher auch mit körperlichen Einschränkungen begehbar, die oberen Geschosse sind aber nur mittels Treppen zu erreichen. Sehen kann man unter anderem das Becherwerk, welches das Mahlgut auf die oberen Böden befördert, sowie den Mahlgang und den Walzenstuhl, mit dem das Getreide anschließend gemahlen wurde. Ein Halt an der Wassermühle Kuchelmiß lohnt sich nicht nur wegen des interessanten Mühlenmuseums, der in der Mühlenscheune untergebrachte Imbiss macht den Standort auch für eine kleine Rast attraktiv.

Adresse

Mühlenweg 5 – 18292 Kuchelmiß

Öffnungszeiten

April bis Oktober
Mittwoch bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr





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