Schloss Güstrow

Schloss Güstrow

Schloss Güstrow


Als General Wallenstein ging Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein in die Geschichte ein, der ein auch paar Jahre als Herzog Albrecht VIII. zu Mecklenburg die Geschicke des Herzogtums führen sollte. In relativ zentraler Lage seines Herrschaftsgebietes befand sich die Stadt Güstrow, deren Schloss eine angemessene Residenz für ihn darstellte. Dieses ließ sich einst Ulrich von Mecklenburg errichten, welcher im Jahre 1556 Regent des Teilherzogtums Mecklenburg-Güstrow wurde. Während sein Bruder Johann Albrecht im repräsentativen Schloss von Schwerin residierte, aus dieser Zeit stammt das mit roten Terrakottaplatten geschmückte Lange Haus, welches sich bis heute erhalten hat, und sich in Wismar den Fürstenhof errichten ließ, konnte man seine Güstrower Burg als relativ schlicht bezeichnen. Diese stammte aus der Erbmasse der Fürsten von Werle, wurde von diesen anstelle der vormaligen Burg Güstrowe Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und als Residenz auserkoren. Ein Feuer sollte Ulrich entgegenkommen, denn durch den zerstörten Südflügel seiner Burg hatte er einen guten Vorwand etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und sich an dessen Stelle ein repräsentatives Schloss bauen zu lassen.

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Mit dieser Aufgabe betraute er den Baumeister Franz Parr, welcher im Jahre 1558 mit der Errichtung des Westflügels mit dem Eingangsportal und dem Teil des Südflügels begann, der auch noch heutzutage erhalten geblieben ist. Offensichtlich erhielt er durch den schwedischen König Johann III. ein deutlich besseres Angebot, für den er das abgebrannte Schloss von Uppsala neuerrichtete. Im Jahre 1586 sollte ein weiter Brand im Güstrower Schloss wüten. Dieses Mal war es der Nordflügel, der durch einen Neubau ersetzt werden musste. Hierfür holte sich Ulrich den niederländischer Baumeister Philipp Brandin, der zuvor in Wismar tätig war und hier mit dem Schabbelhaus und der Wasserkunst seine Spuren in der Stadt hinterließ. In seiner Position als Hofbaumeister errichtete er die Güstrower Domschule, bevor er vor die Aufgabe gestellt wurde, für die Gestaltung des Nordflügels des Schlosses seine Planungen abzuliefern. Aufgrund der mangelhaften Finanzen des Hofes sah er sich gezwungen diese abzuändern und deutlich preiswerter zu bauen. Übrigens wurde erst nach seinem Tod mit der Planung des Ostflügels begonnen, für die sein einstiger Mitarbeiter Claus Midow verantwortlich war

Als Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein in den Besitz des Güstrower Schlosses kam, begann er sogleich damit, dieses nach seinem Geschmack zu verändern. Sein erstes Ziel sollte der von Ulrich angelegte Lustgarten sein, welchen er barock umformen ließ. Zahlreiche exotische Blumen und Bäume ließ er in seinem Schlossgarten pflanzen, selbst Kartoffeln fanden hier ihren Platz, die zu dieser Zeit ihre Verwendung nur als Zierpflanzen fanden. Dank seiner doch recht kurzen Regentschaft in Mecklenburg sollten seine Pläne, dass Güstrower im Stil des Barock umzugestalten nicht realisiert werden. Von seinen Plänen zeugen heutzutage nur noch die Fundamente des östlichen Teils des Südflügels, an dessen Bau die wiedergekehrten mecklenburgischen Herzöge kein ernsthaftes Interesse mehr zeigten. Nur noch die Schlossbrücke und das Torhaus sollten dem Schloss noch hinzugefügt werden, für welche Charles Philipp Dieussart verantwortlich war, der die Bauarbeiten im Jahre 1671 vollendete. Er hinterließ seine Spuren übrigens beim Umbau des Darguner Schlosses.

Nach dem Tode von Herzog Gustav Adolf im Jahre 1695, erlosch die Linie Mecklenburg-Güstrow. Im Zuge des Hamburger Vergleichs wurde das Erbe aufgeteilt, Güstrow kam zum Herzogtum Mecklenburg-Schwerin und verlor seine Bedeutung als Hauptresidenz der Herzöge. Das Resultat war ein langsamer Verfall der Schlossanlage welches mehr und mehr baufällig wurde und auf seinen Ostflügel verzichten musste, der im Jahre 1795 abgetragen wurde. Auch der östliche Teil des Nordflügels sollte die Jahrhunderte nicht überdauern. Die übrigen Flügel des Schlosses wurden anderweitig genutzt, zuerst als Kriegslazarett, später dann für die Unterbringung der durch die Aufhebung der Leibeigenschaft arbeitslos gewordenen Bauern. Durch die Nutzung als Landarbeitshaus für Mecklenburg sollten die Räumlichkeiten des Schlosses viel von ihrer einstigen Pracht verlieren. Im Jahre 1963 begann man mit der Sanierung des Schlosses, welches gut zehn Jahre später seine Pforte als Museum öffnen konnte.

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Ein Blickfang im Innenhof ist der Treppenturm, über den man in die oberen Etagen gelangt und die sich ihm anschließenden Bogengalerien, welche dem Schloss ein südeuropäisches Flair verleihen. Für seinen Entwurf bediente sich Franz Parr bei den Bauten aus Italien und Frankreich und verband diese mit deutschen Einflüssen und schuf so eine eigene Formensprache. Aufwendig ist die Gestaltung der Fassade, die sich an italienischen Palästen orientiert und neben einer Quaderung überhorizontale Gesimse verfügt, welche die einzelnen Etagen des Schlosses optisch voneinander trennt. In Frankreich wiederum waren in der Zeit der Renaissance neben den Treppentürmen auch markante Ecktürme beliebt, zwei Exemplare findet man am Westflügel vor, dessen Gestaltung sich an früheren mitteleuropäischen Schlossbauten orientiert, welche zumeist keine symmetrische Gestalt vorwiesen. Demgegenüber bildet der von Philipp Brandin errichte Nordflügel einen starken Kontrast, denn die verwendete Formensprache der niederländischen Renaissance fiel deutlich schlichter aus.

Im Inneren kann man trotz des früheren Verfalls noch zahlreiche Details entdecken, welche dank der Sanierung wieder im alten Glanz strahlen. Einer der Höhepunkte ist zweifelsfrei der Festsaal mit einer aufwendig gestalteten stuckierte Kassettendecke, die von einem Hirschfries umrahmt wird, für dessen Ausführung sogar echte Geweihe verwendetet wurden. In jeder einzelnen Kassette der Decke befindet sich ein anderes Motiv, welches die Jagd zum Thema hat. Auch die anderen Räumlichkeiten des Erdgeschosses, welches einst die Herzöge bewohnten, können mit prächtigen Stuckdecken aufwarten. Die aufwendig sanierten Wohnräume des Schlosses wurden mit Möbeln und Gemälden aus der Zeit der Renaissance und des Barock ausgestattet, während sich im Gewölbekeller eine Sammlung mittelalterlicher Kunst befindet. Einen Besuch des Schlosses sollte man mit einem Spaziergang durch den Lustgarten beenden, der nach dem historischen Vorbild wieder angelegt wurde.