Schloss Ludwigsburg

Schloss Ludwigsburg

Schloss Ludwigsburg


Umgeben von seinen Geschwistern findet man den etwa zehnjährigen Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast auf dem im Pommerschen Landesmuseum ausgestellten Croÿ-Teppich wieder, auf dem die Hochzeit seines Vaters mit Maria von Sachsen dargestellt ist. Zu diesem Zeitpunkt kann kann man noch nicht ahnen, dass der junge Spross des pommerschen Herzoghauses durch seine spätere Bautätigkeit in die Geschichtsbücher eingehen soll. Ironischerweise können diese Gebäude heutzutage nicht mehr an ihren Erbauer erinnern, zu sehr sollte die Geschichte die Erinnerungen an das einstige pommersche Herzogsaus auslöschen, deren letzte Angehörige in den Sarkophagen der Familiengruft in der Wolgaster Petrikirche bestattet wurden. Das Wolgaster Schloss, welches sein Vater Philipp I. nach einem Brand wieder aufbaute, sollte er mit weiteren Umbauten die Größe verschaffen, die es zu einem der bedeutendsten Schlössern der Renaissance werden ließ. Von diesem zeugt nur noch der Name der Schlossinsel von der einstigen Existenz, ein Schicksal übrigens, welches auch die in Loitz errichtete Schlossanlage erleiden musste.

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In diesem Städtchen erinnert außer der durch Sophie Hedwig umgebauten Marienkirche nur noch der Name der Schlossbergstraße an die Zeit als herzoglicher Witwensitz. Auch vom einstigen Kollegium Ernestinum dem Vorgängerbau des heutigen Hauptgebäudes der Greifswalder Universität existieren heute nur noch die Grundmauern, auf denen der Greifswalder Baumeister Andreas Mayer einen Neubau errichtete. Fälschlicherweise wird oft behauptet dass mit dem Schloss Ludwigsburg nur eines der vorpommerschen Herzogsschlösser erhalten blieb, was natürlich völliger Unsinn ist und von Unwissenheit zeugt. Neben einem erhaltenen Flügel des von Philipp I. errichteten Ueckermünder Schlosses, existiert heutzutage auch noch das von Ernst Ludwig als Witwensitz für seine Mutter errichtete Schloss Pudagla auf der Insel Usedom. Und wenn man sich dann noch etwas genauer umschaut, entdeckt man in der Altstadt von Pasewalk ein ehemaliges Jagdschloss. Es gibt also mehr als nur ein Schloss der pommerschen Herzöge, von diesen hat aber das Schloss Ludwigsburg die wahrscheinlich interessanteste Geschichte zu bieten.

Nachdem im Jahre 1534 auf dem Landtag zu Treptow an der Rega die Reformation beschlossen wurde, hatten die Pommernherzöge ein finanzielles Problem weniger, konnten sie sich so die riesigen Besitzungen der hiesigen Klöster aneignen. So fiel durch die Säkularisierung des Klosters Eldena auch das kleine am Greifswalder Bodden gelegene Dörfchen Darsim in den Besitz des Herzogshauses. Ungehindert wehte der Wind über das Land und brach sich an der einstigen Turmhügelburg welche der Ursprung des neuen Schlosses werden sollte, dessen Errichtung Ernst Ludwig seiner jungen Frau finanziell ermöglichte. Sechzehn Jahre war Sophie Hedwig von Braunschweig-Wolfenbüttel als sie am 20. Oktober des Jahres 1577 den etwa doppelt so alten Herzog Ernst ehelichte, der im Jahre 1569 mit etwas Glück die Herrschaft in Pommern-Wolgast übernehmen konnte, denn Barnim IX. von Pommern-Stettin verstarb kinderlos und Pommern musste erneut aufgeteilt werden. Als Hochzeitsgeschenk erhielt die junge Herzogin das Gut auf welchem sie ihr neues Schloss errichten konnte.

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Schon von weitem waren die Mauern des Schlosses zu erkennen, die zum Greifswalder Bodden verlaufende Allee wurde erst später angelegt, Mauern deren Grundriss ein lateinisches Kreuz bilden. In Deutschland findet man vergleichbare Schlossbauten nicht, was das Schloss Ludwigsburg bauhistorisch höchst interessant werden lässt. Auch andere Details, wie beispielsweise einen aufwendig gestalteten Treppenturm, findet man an diesen Gebäude nicht. Stattdessen passte man die beiden Querflügel baulich dem Langhaus an und verlegte das von außen nicht sichtbare Treppenhaus in den Südostflügel des Gebäudes. Wenn man etwas genauer hinschaut, erkennt man im Mauerwerk des Südwestflügels die früher vorhandene Durchfahrt in das einstige Torhaus. Fuhr man zu Sophie Hedwigs Zeiten noch mit der Kutsche ins Haus um im Schutz vor schlechtem Wetter empfangen zu werden, sollten in späteren Jahrhunderten imposante Freitreppen diese repräsentative Aufgabe übernehmen.

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Erhalten geblieben sind auch die auf toskanischen Pfeiler ruhenden Gewölbe, welche das Erscheinungsbild des Erdgeschosses dominieren, die man zu Gesicht bekommt, wenn man das Schloss betritt. Wie die einstigen Giebel gestaltet waren, ist nicht eindeutig geklärt. Man geht davon aus, dass diese eine ähnliche Gestaltung vorzuweisen hatten, wie der Giebel des kleinen Vorbaus, der am Nordostflügel des Schlosses vorfinden ist. Im Gegensatz zum historischen Mauerwerk, welches bis zur Mauerkrone reicht, sind die heutzutage sichtbaren schlichten Giebel das Ergebnis eines Umbaus in späteren Jahren. Dieser Umbau, bei dem die Giebel neugestaltet und das Schloss eine schlichte Putzfassade bekam, wurde von dem in schwedischen Diensten stehenden General Burchard Müller von der Lühne durchgeführt, der im Jahre 1650 das Schloss von Anna von Croÿ erwarb. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Malereien an Wänden und Decken, die bei den Sanierungsarbeiten freigelegt wurden. In den 20ér Jahren des 18. Jahrhunderts sollte es zu einen größeren Umbau kommen, als der große Saal des Schlosses in mehrere Zimmer unterteilt wurde.

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Ein paar Jahre später hatte die Familie Müller von der Lühne finanzielle Probleme und musste das Gut samt Schloss versteigern lassen. Der glückliche Bieter war Philipp Ernst von Horn, dem irgendwann aber auch das Geld ausging, so dass der aus Stralsund stammende Friedrich Ernst Sebastian von Klinkowström im Jahre 1776 das Schloss bei einer Versteigerung erwerben konnte. Eines seiner zehn Kinder war der im Jahre 1778 geborene Friedrich August von Klinkowström, der nicht nur ein Freund von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge war, sondern auch selbst zu den Romantikern gehört. Das Altarbild der Greifswalder Marienkirche, welches eine Kopie des bekannten Gemäldes Die Heilige Nacht von Correggio ist, hat er während eines Aufenthalts in Dresden angefertigt. Die Klinkowströms veränderten ihr neuerworbenes Anwesen im Stil des Louis Seize und legten den weitläufigen spätbarocken Park an.

Aufgrund eines Konkurses konnte im Jahre 1810 das Gut durch den Greifswalder Getreidehändler Johann Philipp Hermann Weissenborn erworben werden, dessen Familie es bis zur Bodenreform ihr Eigen nennen konnte. Diese benötigten einen Festsaal, den sie durch die Entfernung von Innenwänden im ersten Obergeschoss des Nordostflügels schaffen konnten. Andere Umbauten wie beispielsweise die große Terrasse mit Blick auf den Schlosspark sollten die Wirren der Zeit nicht überstehen. Als der Besitz an Martin Weissenborn ging, der hier ganzjährig wohnen wollte erhielt das Schloss eine Zentralheizung, Wasserleitungen und einen Stromanschluss. Auch ein im Nordwestflügel befindlicher Dienstbotenaufgang sollte Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffen werden. Optisch machte das Gebäude immer mehr den Eindruck eines Märchenschlosses, welches von Weinranken zugewuchert wurde. Von der einstigen Einrichtung blieb nicht viel erhalten, dank der Kriegswirren wurde diese geplündert und verschwand für immer aus dem Schloss.

Viel schlimmer für den Verlust an Bausubstanz sollten sich aber die späteren Bewohner erweisen, welche unter anderem die historischen Ausmalungen überstrichen und die wertvollen Seidentapeten von den Wänden entfernten. Ab Ende der 70er Jahre sollte es leer stehen und nach und nach verfallen. Der Anblick der sich nach der Wende bot, war mehr als marode. Im Gegensatz zu den Schlössern der mecklenburgischen Herzöge, die direkt in den Staatsbesitz übergingen, konnte das Schloss Ludwigsburg nicht auf einen potenten Geldgeber zurückgreifen. Die Familie Weissenborn konnte das Schloss zwar im Jahre 1990 zurückerwerben, die notwendigen Gelder für die Sanierung hatten aber auch sie nicht übrig. Um das Bauensemble zu retten, dazu gehören übrigens auch die umliegenden Wirtschaftsgebäude und der Park, wurde ein Förderverein ins Leben gerufen, der sich seit Jahren für die Sanierung einsetzt. Ihr Weg um aus dem maroden Gebäude ein Kunst- und Kulturzentrum für die Zeit der Romantik zu machen, sollte sich aber als sehr steinig erweisen.