Burg Neustadt-Glewe

Burg Neustadt-Glewe

Burg Neustadt-Glewe


Allzu viele Burgen sind in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr erhalten, eine der wenigen sehenswerten Burganlagen befindet sich am Ufer der Elde, in der mecklenburgischen Kleinstadt Neustadt-Glewe. Die Geschichte der Burg lässt sich bis in die Zeit Heinrichs des Löwen zurückführen, der im Jahre 1160 gegen die Obodriten ins Feld zog, welche zuvor plündernd die dänische Küste heimsuchten. Bei dieser Strafexpedition verlor Fürst Niklot nicht nur sein Leben, sondern sein Stamm auch die Herrschaft über das Gebiet, welches Heinrich unter seine Kontrolle brachte, zumindest für etwa sieben Jahre, dann nämlich verlieh er Pribislaw den Großteil des zwischenzeitlich umkämpften Landes als Lehen. Den südlichen von Schwerin gelegenen Teil übertrug Heinrich seinem treuen Gefolgsmann Gunzelin von Hagen, der damit die Grafschaft Schwerin begründete. Im Jahre 1248 wurde dem an der Elde gelegenen Fischerdorf Glewe das Stadtrecht verliehen. In diese Zeit dürfte auch die Errichtung einer Turmhügelburg gefallen sein, deren Standort im östlichen Teil der Burganlage zu verorten war.

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Diese hatte aber nicht lange Bestand, denn schon am Ende des 13. Jahrhunderts begann man damit, den vorhandenen Turm und die umstehenden Gebäude abzureißen, deren Spuren man bei aufwendigen Grabungen finden konnte, und die Baufläche um gut sechs Meter aufzuschütten, sodass man auf der künstlich geschaffenen Anhöhe eine neue Burg errichten konnte. Im Vergleich zur Burg Stargard, der ältesten Burganlage in Mecklenburg-Vorpommern, weist die rechteckig geplante Anlage auf eine Errichtungszeit im Spätmittelalter hin. Frühere Burgen wurden als Ringburg errichtet, die über einen umfassenden Mauerring verfügten, in deren Schutz die Gebäude relativ ungeordnet platziert waren. In späteren Zeiten nutzte man die schützenden Mauern der Burg auch als Außenmauer der Gebäude, die deutlich dicker ausgeführt waren als die zur Hofseite gerichteten Mauern der Häuser. Am Ufer der Elde entstand so eine rechteckig geformte Burg mit den Ausmaßen von etwa fünfzig mal fünfunddreißig Metern mit einem Wohn- und einem Wirtschaftsgebäude sowie einem Bergfried, der noch heute das Bild der Burg dominiert.

Dieses präsentiert sich aber nicht mehr vollständig, denn von der einstigen Vorburg fehlt jede Spur. Südöstlich des Tores der Hauptburg befand sich einst ein Torhaus mit einer Zugbrücke, über die man die Burg betrat.Im Schutze der Vorburg standen der Marstall und die Schmiede, heutzutage dient die Fläche als Parkplatz für die Besucher der Burg. Von der Burgkapelle fehlt jegliche Spur, nur in alten Schriften kann man erfahren, dass die Burg in Neustadt-Glewe in früheren Zeiten auch über ein eigenes Gotteshaus verfügt hat. Auch den die Burg umgebenden Wassergraben muss man sich bei einem Besuch gedanklich vorstellen, nur ein kleiner Teich im Südwesten der Burg zeugt von der einstigen Existenz. Die Burg, und in dem Zusammenhang auch ihre Kapelle, fand übrigens erst im Jahre 1331 die erste Erwähnung in einem Dokument, erst später sollte die weitere Geschichte der Burganlage deutlich besser dokumentiert werden.

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So lässt sich der 7. Dezember des Jahres 1358 als Wendepunkt in der Geschichte, denn an dem Tag verkaufte Nikolaus I. Graf von Tecklenburg seine für ihn schwer durchsetzbaren Ansprüche auf die Grafschaft Schwerin an den Herzog Albrecht II. zu Mecklenburg. Dieser nannte sich fortan auch Graf von Schwerin, machte die dabei erworbene Stadt Schwerin zur neuen Hauptstadt seines Herzogtums und führte das Wappen der Grafschaft zusammen mit den mecklenburgischen Stier und dem Rostocker Greifen in seinem nun dreigliedrigen Wappen. Allzu flüssig war der frischgebackene Herzog nicht, denn schon im Jahre 1363 musste er die Burg verpfänden. Auch im November des Jahres Ende 1370 sollte die Burg als Pfand für die herzöglichen Schulden dienen. Mitte des 15. Jahrhunderts setzte wieder eine Bautätigkeit auf der Burg ein, denn in der Zeit entstand das östliche Längshaus, in dem heutzutage das Museum untergebracht ist. Aus der Zeit um das Ende des 15. Jahrhunderts stammt die Wandmalerei mit dem heiligen Georg der Burg und einem Einhorn.

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Ein aus der Zeit der Renaissance stammendes umlaufendes Fries mit Jagdszenen in den ehemaligen Hofstuben zeugt von der einstigen Nutzung des Gebäudes als Wohnhaus der mecklenburgischen Herzöge, die von hier aus auf Jagd gingen. Bei der Sanierung des Gebäudes traten die Überreste einer mittelalterlichen Warmluftheizung hervor, die den früheren Bewohner in der kälteren Jahreszeit ein etwas angenehmeres Raumklima bescherrt haben dürfte. Viel zeugt heutzutage nicht mehr von der einstigen Pracht, mit denen die herzoglichen Gemächer dienen konnten, denn nach Aufgabe der Burg als Wohnsitz und der Errichtung eines neuen Schlosses, diente das sogenannte Neue Haus seit dem Jahre 1751 als Marstall. Schon einige Zeit zuvor, genauergesagt im Jahre 1725 begann man die ersten Nebengebäude der Burg abzureißen, im Jahre 1752 folgte das einstige Torhaus, welches den früheren Pferdestall beherbergt hat. Das Obergeschoss des Neuen Hauses bietet nach der Sanierung einen Blick auf das historische Gebälk. Um den Besuchern einen ungestörten Blick auf die Architektur zu bieten, nutzte man bei der Sanierung Glaswände, um bestimmte Räumlichkeiten funktional zu trennen.

Diesen Anspruch hatte man auch bei der Errichtung des neuen Treppenhauses, welches an der Position des ursprünglichen Wendelsteines errichtet wurde. Bei einem Gang in den Keller, in dem sich seit der Rekonstruktion die sanitären Anlagen befinden, kann man dessen Fundamente bewundern. Auf den ersten Blick wirkt das gläserne Treppenhaus vielleicht noch wie ein architektonischer Fremdkörper, beim zweiten Blick lässt dieses aber einen besseren Blick auf die Architektur des Hauses zu. Ob diese Lösung gelungen ist oder nicht, soll jeder für sich entscheiden. Über das Dachgeschoss des Neuen Hauses gelangt man auf den Wehrgang über dem Eingangstor, der den Weg zum Turm darstellt, in dem sich einige an interessanten Details entdecken lassen. Vom früheren Wehrgang selbst, der einst umlaufend und zweigeschossig war, blieb nur das kurze Stück erhalten, nachdem bei einem Umbau im Jahre 1748 die übrigen Teile des funktionell unnötig gewordenen Wehrgangs abgerissen wurden.

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Das Erste, was man beim Betreten des Turmes zu Gesicht bekommt, ist das Verteidigungsgeschoss, welches mit doppelt ausgeführten Schießscharten aufwarten kann. Durch die übereinanderliegenden Schießscharten war es möglich etwas weiter entfernte Feinde ebenso gut wie vor der Burg stehenden Feinden mit den Armbrüsten unter Beschuss nehmen zu können. Über eine Treppe erreicht man ein im 16. Jahrhundert auf den ursprünglichen Turm aufgesetztes Wohngeschoss, welches über Mauer verfügt, die nur noch einen Meter Dicke vorzuweisen hat. In den deutlich dünneren Fensternischen befinden sich Bleiglasfenster, wie sie auch schon zu dieser Zeit üblich waren. Ein Kamin und ein Aborterker dürften für etwas Wohnkomfort gesorgt haben, wobei übrigens auch das darunterliegende Verteidigungsgeschoss über einen solchen Abort verfügt. Über so viel Komfort konnten die Bewohner des untersten Geschosses nicht verfügen, denn hier befand sich das Verließ, welches man nur durch eine in der Decke befindlichen Luke erreichen konnte. Der Kerker ist gut acht Meter hoch und hat einen Durchmesser von vier Metern aufzuweisen. Die drei Meter dicken Mauern sind es auch der massivsten Mauern der Burg. Der beim Verlassen des Turms sichtbare Einstieg wurde erst später hinzugefügt.

Das als Altes Haus bezeichnete und auf der Westseite stehende Gebäude diente einst als Wirtschaftsgebäude, in dem sich neben der Küche auch eine Brau- und Backstube sowie einige Vorratsräume befanden, aber auch der Wohnung der Burgvögte bot das Haus seinen Platz. Bei der Sanierung im Jahre 2002 stürzte das Haus ein und konnte aus rechtlichen Gründen erst drei Jahre später wiederaufgebaut werden. Während dieser Zeit sind einige bauhistorisch wertvolle Gebäudeteile verloren gegangen, denn Wind und Wetter dürften dem Bauwerk geschadet haben. Heute bietet das sogenannte Alte Haus einem Restaurant und Ausstellungsräumen ein Dach, ein Dach, dessen ursprünglicher Dachstuhl übrigens schon im Jahre 1946 durch einen Brand vernichtet wurde, den jugendliche Gäste der damaligen Jugendherberge zu verantworten hatten. Zuvor diente das Gebäude unter anderem als örtliche Schule und technische Lehranstalt. Im Gegensatz zu den übrigen Gebäuden bietet die nördliche Mauer einen recht schlichten Anblick. Der ursprüngliche Wehrgang der Mauer ist nicht mehr vorhanden, dafür wurde eine kleine Pforte eingebaut, welche in Richtung Stadt zeigt.

Die Burg Neustadt-Glewe bietet seit ihrer aufwendigen Sanierung nicht nur ein kleines Museum, welches über das Mittelalter und die Geschichte der Burg informiert, sondern mit dem alljährlich Anfang Juli stattfindenden Burgfest den Platz für den kulturellen Höhepunkt der kleinen Stadt, bei dem der Mittelaltermark und das Ritterturnier Tausenden Besucher den Grund bieten, einmal in das ansonsten doch recht verschlafen wirkende Städtchen an der Elde zu kommen. Wer mit einem Schiff die Müritz-Elde-Wasserstraße befahren sollte, hat auch keine Ausrede, um hier nicht haltmachen zu können, denn in Sichtweite der Burg befindet sich der kleine Bootshafen von Neustadt-Glewe, von dem es nicht mehr allzu weit bis zur Burg ist. Diese ist übrigens nicht die älteste erhaltene Burg Mecklenburgs, wie einige Leute fälschlicherweise behaupten, denn die Burg Stargard begann man nachweislich schon ab dem Jahre 1236 zu errichten, die Burg in Neustadt-Glewe etwas später, was zudem die spätmittelalterliche Gestaltung der Anlage belegt.

Adresse Alte Burg – 19306 Neustadt-Glewe
Internet www.neustadt-glewe.de
Öffnungszeiten Dienstag und Freitag 13:00 – 16:00 Uhr sowie Samstag und Sonntag 11.00 – 16.00 Uhr (Mitte Oktober bis Mitte März) und Dienstag bis Freitag 10.00 – 16.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag 13.00 – 16.00 Uhr (Mitte März bis Mitte Oktober)