Stromerwachen Warnemünde

Alter Strom Warnemünde

Alter Strom Warnemünde


Bekanntlich erwarb die Hansestadt Rostock das Fischerdorf Warnemünde schon im Jahre 1323, bis sich aber aus der einstigen Heimstatt armer Fischer und ihrer Familien eine der attraktivsten Ortslagen der Stadt entwickeln konnte, sollten noch über fünfhundert Jahre ins Land gehen. Der Kauf des Dorfes geschah seinerzeit aus rein machtpolitischem Interesse, schließlich befand sich der Hafen der Stadt mehrere Kilometer von der Mündung der Warnow entfern am Unterlauf des Flusses, wodurch man sich gezwungen sah, sich den ungehinderten Zugang zur Ostsee zu sichern. Bevor sich Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Badegäste ins Fischerdörfchen Warnemünde begaben, bestand der Ort nur aus zwei Straßenzügen, der am Alten Strom gelegenen Vöörreeg und der parallel zu ihr verlaufenden Achterreeg. Das wachsende Interesse an Badeaufenthalten am Meer sollte sich für die hiesigen Fischer als Glücksgriff herausstellen, konnten sie jahrhundertelang vom Fischfang mehr schlecht als recht leben, bildeten die stetig steigenden Touristenströme den wohl größten Fang, den die Warnemünder Fischer wohl jemals machen konnten.

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Da die Badegäste eine Unterkunft brauchten, vermieteten die Warnemünder in ihren Häusern Ferienzimmer. Später entstanden die das Ortsbild prägenden Veranden vor den Häusern, vor allem am Alten Strom, in denen die Urlaubsgäste untergebracht wurden. Heutzutage beherbergen nur die wenigsten von ihnen noch Gästebetten, es sind dann doch eher Restaurants und Bars sowie Läden und Geschäfte, welche die heutige Bummelmeile des pulsierenden Ostseebades flankieren. Lebten in früheren Zeiten alle Warnemünder vom Fischfang, muss man die Fischer mit der Lupe suchen, denn nur noch wenigen Leuten sichert der Fischfang ihre Existenz. Heutzutage verbreiten die am Hafenkai vertäuten Fischkutter, von denen frische Fischbrötchen und Räucherfisch verkauft werden, ein deutlich maritimeres Flair, als sie viele andere Ostseebäder vorweisen können. Und so ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass an den ersten schönen Frühlingstagen der Alte Strom wieder zum Leben erwacht. Allzu beschwerlich ist der Weg für die meisten Rostocker nicht, schließlich verfügt das stadteigene Ostseebad über einen eigenen Bahnhof, von dem aus es nicht mehr weit zum eigentlichen Ort des Geschehens ist.

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Dieser beginnt an der Bahnhofsbrücke, die seit über hundert Jahren den Bahnhof mit Warnemünde verbindet. Diese wurde als Drehbrücke ausgeführt, um den am Alten Strom ankernden Schiffen eine Ausfahrt zu ermöglichen, schließlich wurde mit der Ausbaggerung des Neuen Strom der Alte Strom für den Schiffsverkehr obsolet und dessen südliche Zufahrt für den Bau des Bahnhofs zugeschüttet. Wer heutzutage als Tourist die Brücke überschreitet, nimmt zumeist eher den tollen Ausblick auf den Alten Strom als die historische Brückentechnik wahr, was an den Menschenmassen liegt, welche während der Saison diese bevölkern. Während des Warnemünder Stromerwachens steht die Bahnhofsbrücke daher im Fokus der Aufmerksamkeit, denn zu dieser seltenen Gelegenheit kann man das technische Denkmal auch einmal in Aktion sehen. Hat man die Bahnhofsbrücke überschritten, kann man entlang des Alten Stroms in ein maritimes Volksfest eintauchen, dessen Unterhaltungsprogramm maßgeblich durch die hiesigen Vereine gestaltet werden, die es sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, die jahrhundertealten Traditionen hochzuhalten.

Und so sind es die alten Seemannslieder und Shantys, mit denen man für gewöhnlich zuerst in Berührung kommen wird. In Rostock sind schließlich mehrere Shantychöre beheimatet, für welche das Warnemünder Stromerwachen eine wunderbare Gelegenheit darstellt, einem interessierten Publikum ihr Repertoire näherzubringen. Standort ihrer Auftritte ist zu dieser Gelegenheit der Platz vor der Vogtei, die sich nicht nur gegenüber der Bahnhofsbrücke befindet, sondern auch das älteste Gebäude des Ostseebades ist. Die Vogtei ist übrigens auch der Ort, an dem die Veranstaltung offiziell eröffnet wird, einem Programmpunkt, der dank des traditionellen Faßbieranstichs besonders viel Aufmerksamkeit von den Besuchern erhält. Ein Blickfang sind die in historischen Trachten auftretenden Mitglieder der Warnemünder Trachtengruppe, welche mit ihrer aufwendig gestalteten Kostümierung eine virtuelle Zeitreise in die Mitte des 19. Jahrhunderts unternehmen, eine Zeit, in welcher der Tourismus in Warnemünde noch in den sprichwörtlichen Kinderschuhen steckte.

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Nebenbei pflegen die Mitglieder des Vereins auch die traditionalen Tänze und die niederdeutsche Sprache, deren Präsentation zu jedem ihrer öffentlichen Auftritte gehören. Alle zwei Jahr fällt das Unterhaltungsprogramm des Warnemünder Stromerwachens deutlich umfangreicher aus, denn wenn zum traditionellen Drehorgeltreffen geladen wird, strömen zahlreiche Drehorgelspieler aus aller Welt ins Ostseebad Warnemünde. Bei den mehr als drei Dutzend Teilnehmern, die für gewöhnlich den Weg an die Mündung der Warnow finden, dürfte es wohl keinen Platz entlang der Promenaden geben, an denen keine Drehorgelmusik zu hören ist. Neben dem alten Strom verwandelt sich anlässlich der Saisoneröffnung auch die Strandpromenade zwischen Leuchtturm und Kurhaus in eine bunte Bummelmeile mit verschiedenen Händlern und gastronomischen Angeboten. Hinzu gesellt sich ein kleiner Töpfermarkt auf dem Kirchenplatz. Im Gegensatz zu größeren Veranstaltungen, wie beispielsweise der Hanse Sail, soll mit dem Warnemünder Stromerwachen das maritime Flair des Ortes und die Traditionen der Warnemünder in den Vordergrund rücken.

Internet

www.rostock.de

Termin

27. April bis 01. Mai 2018