Kirche Warnemünde

Kirche Warnemünde

Kirche Warnemünde


Entlang der Vöörreeg und Achterreeg genannten und parallel zur Warnow verlaufenden Straßen bauten die Warnemünder Fischer ihre bescheidenen Häuser, deren Giebel zur Straße zeigen. Heutzutage kann man nach diesen Straßen lange suchen, lauten doch die heutigen Namen der beiden Straßenzüge, welche einst das historische Warnemünde ausmachten, Am Strom und Alexandrinenstraße. Noch heute erinnern zahlreiche Häuser an das einstige Fischerdorf, in dem sich im 19. Jahrhunderts der Badetourismus zu entwickeln anfing, wovon noch heute die für Warnemünde typischen Veranden an zahlreichen historischen Fischerhäusern erinnern. Einzig das markanteste Bauwerk des Dorfes sollte die Zeiten nicht überdauern. Betrachtet man historische Abbildungen von Warnemünde, fällt einem die kleine Dorfkirche auf, welche sich relativ nah an der Warnow befunden hat. Mit der heutigen Kirche hat das Gebäude nicht viel gemein, wenn man von den mittelalterlichen Einrichtungsgegenständen einmal absieht, welche nach der Vollendung der heutigen Kirche in dieser einen neuen Platz gefunden haben und ihre bisherige Heimstatt durch ihren Abriss endgültig aus dem Ortsbild verschwand.

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Fischer aus Friesland waren es, die sich an der Mündung der Warnow niederließen und so das Fischerdorf Warnemünde begründeten. Um das Jahr 1200 ist der Bau einer Kirche belegt, welche sich die gläubigen Siedler in ihrer neuen Heimat errichteten. Einige Kilometer südlich der Warnow sollte sich eine Siedlung entwickeln, welche später ein verstärktes Interesse am Erwerb des Dorfes zeigen würde. Die Stadt Rostock welche im Jahre 1218 das lübische Stadtrecht verliehen bekam, sollte aber erst einige Jahre später in den Besitz von Warnemünde gelangen, welche sich so den freien Zugang zur Ostsee sichern wollte. Seit dem Jahre 1323 war Warnemünde eine Exklave der mecklenburgischen Hansestadt, eine Tatsache, welche sich nicht immer unbedingt positiv auswirken sollte, war sie doch bei kriegerischen Auseinandersetzungen ein ungeschütztes Ziel. Während die gotischen Backsteinkirchen durch eine schützende Stadtmauer vor Zerstörungen eigentlich sicher waren, sollte die Fischerkirche in den Jahren 1312 und 1430 während kriegerischer Auseinandersetzungen mit den mecklenburgischen Landesherren zum Opfer fallen.

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Gleich mehrere Gründe sollte es dafür geben, das die Warnemünder bereit waren, sich von ihrem Gotteshaus zu trennen. Zum einen war die Bausubstanz recht marode, zum anderen sollte sich die Bevölkerungszahlen des Ortes durch den einsetzende Tourismus so stark entwickeln, dass das alte Kirchengebäude schlichtweg zu klein wurde. Also entschloss man sich dazu, in unmittelbarer Nähe des Standortes einen Neubau zu errichten, der den gestiegenen Ansprüchen genügen sollte. Hierfür beauftragte man die Architekten Friedrich Wilhelm Wachenhusen und Theodor Krüger für den Entwurf einer im neogotischen Kirche zu sorgen. Hierbei sollte sich auch die Wünsche von Großherzog Friedrich Franz II. niederschlagen, der als damaliger Bauherr die eine und andere Forderung aufstellte, wie bestimmte Dinge ausgeführt werden sollen. Wer bezahlt bekommt für gewöhnlich auch das, was bestellt wurde, und die Warnemünder Kirche ihre an den Giebeln des Querschiffs befindlichen markanten Rosettenfenster.

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Die wahren Schmuckstücke der Kirche befinden sich aber im Inneren. Eines dieser ist zweifelsfrei der geschnitzte und als Triptychon gestaltete gotische Altar, welcher im Jahre 1475 in einer Danziger Werkstatt gefertigt wurde. Zahlreiche Heiligenfiguren findet man hier wieder. Etwas jünger ist die Renaissancekanzel aus dem Jahre 1591 die aber erst seit dem Jahre 1965 ihren heutigen Platz gefunden hat. Zuvor sollte sie jahrelang in einem Museum präsentiert werden, bevor man sich entschloss sie fachgerecht zu restaurieren und ihre ursprüngliche Aufgabe zurückzugeben. Im Gegensatz zur Kanzel sollte die im nördlichen Kirchenschiff befindliche Christophorusfigur den direkten Weg vom der alten zur heutigen Kirche nehmen. Dass es sich bei der Kirche von Warnemünde um eine Seemannkirche handelt, erkennt man an den Votivschiffen, die ihren Platz in den Seitenschiffen gefunden haben. Unter anderem wurden diese von den Warnemünder Lotsenkommandeuren Stephan Jantzen, Johann Joachim Christian Davids und Peter Jungmann gestiftet. Auch der Warnemünder Kapitän Heinrich Stuhr sollte sein Segelschiff Marie als Votivschiff verewigen.

Relativ neu fällt die durch die in Bad Liebenwerda beheimatete Orgelbaufirma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt gefertigte Orgel aus die aus dem Jahre 1975 stammt. Von dieser Firma stammt auch das im Altarraum befindliche Tischpositiv, welches aber erst im Jahre 2002 seinen Platz in der Kirche fand. wenn man sich etwas umschaut, entdeckt man weitere interessante Details. So auch das im Nordflügel ausgestellte Uhrwerk, welches mehr als dreihundert Jahre alt ist, aus dem Vorgängerbau stammt und von seinem Typ her eine Rarität darstellt. Mit Hausmarken kennzeichneten die jeweiligen Hausbesitzer nicht nur ihr Haus sondern ihren gesamten Besitz. Darunter zählte auch der Sitz in der Kirche, der dank dieses Zeichens für jeden ersichtlich war. Aus dem alten Gestühl der alten Kirche hat man etwa sechzig Exemplare gerettet und an einer Wand der heutigen ausgestellt wo man dieses Bewundern kann. Auch außerhalb der Kirche wird man fündig. So befindet vor dem Ostchor eine große Grabplatte, welche aus dem 14. Jahrhundert stammen soll.