Seebrücke Zingst

Seebrücke Zingst

Seebrücke Zingst


Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Dampfschiffe, welche zahlreiche auf der heutigen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst beheimatete Seeleute arbeitslos machten, ihnen in späteren Jahren die Urlauber heranschafften, welche in der unberührten Natur der Ostseeküste Erholung suchten. Heute erinnert nicht mehr viel an die glorreiche Zeit der Segelschifffahrt mit denen sich die Bewohner der Region einen gewissen Wohlstand erarbeiten konnten. Etwa die Hälfte der Bevölkerung wanderte aus, die hier blieben nutzen die Chance sich etwas Geld durch die Vermietung von Fremdenzimmern zu verdienen. Wenn sie nun die Ankunft der Schiffe erwarteten, waren es nicht mehr die seefahrenden Familienangehörigen deren Wiedersehen sie freudig entgegenfieberten, sondern die Urlauber welche ihnen nun ein Einkommen bescherten. Da Zingst bis zum Jahre 1874 durch die Eindeichung des Prerowstroms noch eine Insel war, mussten die ersten Urlaubsgäste des sich entwickelnden Ostseebades mittels Schiffen zu ihrem Reiseziel gelangen.

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Dieses war nach dem Ostseesturmhochwasser des Jahres 1872 notwendig geworden, bei dem große Teile der Insel durch das Meer überflutet wurden. Der frühe Reiseverkehr verlief noch recht beschwerlich. Wer in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Insel Zingst wollte, konnte dieses nur über einfachste Fährverbindungen bewerkstelligen. Der Pramort im Osten der Insel weist noch heute durch seinen Namen auf seine einstige Bedeutung hin. Für die Bewohner des Dörfchens Zingst war aber die Fährverbindung am Timmort interessanter, der südlich des Ortes an der Stelle der Meiningenbrücke liegt, welche aber erst seit dem Jahre 1912 über den Meiningenstrom führt. Bis dahin musste man von Barth aus über Feldwege bis nach Bresewitz, mit der Fähre übersetzen um dann auf ebenso schlechten Wegen in den Ort zu gelangen. Da die Zingster wie auch die benachbarten Prerower gut von der Segelschifffahrt lebten, hatte sie keinen wirklichen Grund um sich über die Annehmlichkeiten potentieller Urlaubsgäste Gedanken zu machen.

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Mit dem wirtschaftlich einträglichen Fremdenverkehr begann man erst im Jahre 1881, als mehrere Bürger des Ortes das Bade-Comité gründeten um das Dörfchen Zingst als kleines aber feines Ostseebad zu etablieren. Namentlich taten sich dabei der einstige Schiffskapitän Rudolf Parow und der Gastwirt Christian Rammin besonders hervor. Durch die Gründung einer Aktiengesellschaft für die Organisierung des Badebetriebes wurde das notwendige Kapital beschafft, mit dem am Ostseestrand ein Herren- und ein Damenbad errichtet werden konnten, welche aber etwa tausendzweihundert Meter voneinander entfernt lagen. Das im Jahre 1937 abgerissene Familienbad entstand übrigens erst im Jahre 1913. Im Zuge der Bauarbeiten errichtete man auch eine schlichte Seebrücke für Dampfschiffe mit denen die Urlaubsgäste bequemer an- und abreisen konnten. Bis zur Eröffnung der Darßbahn erreichten die meisten Badegäste das Ostseebad Zingst mit einem Schiff.

Im Winter des Jahres 1947 sollte das Eis der Ostsee die Zingster Seebrücke zerstören, ein Wiederaufbau des Bauwerks war für die Verantwortlichen nicht notwendig. Erst nach dem Ende der DDR sollte auch das Ostseebad Zingst eine neue Seebrücke bekommen. Im Mai des Jahres wurde die zweihundertsiebzig Meter lange Seebrücke eingeweiht und bietet seitdem nicht nur den besten Blick auf die Küste der Halbinsel Zingst, die zum Großteil aus Naturschutzgründen für Besucher gesperrt ist, sondern auch den besten Blick auf die benachbarte Insel Hiddensee und ihren markanten Leuchtturm auf dem Dornbusch, wenn man vom Aussichtsturm auf der Hohen Düne einmal absieht. Nachdem schon die Seebrücken von Zinnowitz und Sellin mit einer Tauchgondel ausgerüstet wurden, kann man seit dem Juni des Jahres 2013 auch in Zingst die Unterwasserwelt der Ostsee erkunden.